Den besten Cappuccino in Triest
»Il capoluogo del caffè« nennt sich Triest selbst, die Kaffeehauptstadt. Das ist keine Angeberei: Um 1900 war der Hafen hier einer der größten Kaffeehandelsplätze überhaupt. Ein bisschen davon schmeckt man bis heute, an jeder Theke. Und wer hier einen Cappuccino will, bestellt besser einen capo in b.
Das Wichtigste zuerst: ein capo in b ist kein halber Cappuccino, sondern die eigentliche Königsdisziplin. Espresso, wenig Milch, im kleinen Glas (bicchiere, daher das b). Die Triestiner trinken ihn den ganzen Tag, und niemand schaut komisch, wenn es der vierte ist.
Überhaupt bestellst du hier anders als im Rest von Italien. Ein Espresso ist un nero. Ein Cappuccino heißt caffelatte, ein Macchiato einfach capo. Klingt nach Geheimsprache, ist aber nur Zuneigung mit System.
In Sachen Kaffee hat Triest eine lange Tradition. Typische Triestiner trinken im Schnitt pro Jahr 1500 Tassen Kaffee.
Das ist ungefähr doppelt so viel wie im übrigen Italien. Getrunken wird zwischendurch, im Stehen, in Eile: Man ruft die Bestellung schon am Weg zur Theke, zahlt mit Münzen aus der Jackentasche und ist drei Minuten später wieder draußen.
Die Kaffeehäuser
Mein Stammplatz ist die Torrefazione in der Altstadt, wo die Bohnen im Hinterzimmer geröstet werden und es nach Samstag riecht. Für lange Vormittage mit Zeitung gehört das Caffè San Marco dazu, ein Kaffeehaus wie aus Wien, nur mit besserem Licht.
Das ist kein Zufall. Die Kaffeehauskultur kam mit der Monarchie in die Stadt und ist geblieben, als die Monarchie ging. Im San Marco haben Schriftsteller wie Italo Svevo und James Joyce gesessen. Heute sitzt du dort zwischen Studierenden und Pensionisten, und alle haben Zeit.
Von Hausbrandt zu illy
Die großen Namen der Stadt erzählen dieselbe Geschichte. Hausbrandt röstet seit 1892, gegründet von einem ehemaligen Kommandanten der österreichischen Handelsmarine. Aus dieser Schule kam später illy, und die Espressomaschine, wie du sie kennst, wurde hier weitergedacht. Wenn bei dir zuhause eine illy-Tasse im Regal steht: Sie kommt von da.
Wo du am schönsten sitzt
Am Canal Grande sitzt man am schönsten draußen, auch im Winter, wenn die Sonne von der Seeseite kommt. Bestell dort einen capo in b und ein kleines Glas Wasser dazu, das Wasser kommt in Triest immer zuerst.
Der beste Cappuccino ist am Ende der, den man nach der Besichtigung trinkt, wenn das Haus gepasst hat. Ich kenne dafür in jedem Viertel die richtige Bar, das gehört bei mir zur Leistung dazu.